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104. Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft 2006

Abstract
Abstract

SO.11.02

Neues zur konservativen Therapie der endokrinen Orbitopathie

Kahaly G. J.
I. Medizinische Klinik, Johannes-Gutenberg UniversitÀt, Mainz

In den letzten Jahren sind neue TherapieansĂ€tze entwickelt worden, die sich noch in der Erprobung befinden. Eine neue Möglichkeit böte sich in der spezifischen medikamentösen Beeinflussung von Zytokinen, die bei der EO gebildet werden und die entzĂŒndlichen Gewebsreaktionen bewirken und dann letztlich zum klinischen Bild fĂŒhren. So inhibieren lösliche Interleukin-1-Rezeptor-Antagonisten und der lösliche Interleukin-1-Rezeptor die Interleukin-1-induzierte Glykosaminoglykan-produktion in vitro. Auch das Pentoxifylline kann Zytokine inhibieren, die die retrobulbĂ€re HLA-DR-Expression und Glykosaminoglykan-Produktion bewirken, und wurde deshalb erfolgreich bei Patienten mit EO eingesetzt. Forschungsarbeiten zeigen auch, dass freie Radikale und oxidative Prozesse den Immunprozess in den Augenhöhlen anheizen und fĂŒr einen wesentlichen Teil der SchĂ€digung verantwortlich sind. Sowohl Experimente an Zellkulturen und in Tiermodellen, aber auch klinische Untersuchungen bei Patienten mit aktiver EO konnten bereits konkrete Hinweise fĂŒr den Nutzen dieses Konzeptes liefern. Zu den wichtigsten antioxidativen Substanzen zĂ€hlen Vitamine (C, E, Betakarotin) und Selen. Eine Modulation der entzĂŒndlichen AktivitĂ€t und der autoaggressiven Mechanismen durch das Spurenelement Selen sind beobachtet worden. In einer randomisierten Untersuchung konnte ein protektiver, immunmodulatorischer Effekt von Selen auf die entzĂŒndlichen VerĂ€nderungen bei Immunthyreopathie belegt werden. Die Selen-abhĂ€ngigen Enzyme GPx und Thioredoxin Reduktase antioxidative haben Effekte, die Bildung freier Radikale, Lipid wie Phospholipid Hydroperoxyde reduzieren. Angesichts der begrenzten Behandlungsalternativen, der geringen Nebenwirkungswahrscheinlichkeit und der problemlosen VertrĂ€glichkeit ist die antioxidative Therapie bei Patienten mit EO als unterstĂŒtzende Therapiemaßnahme ein sinnvoller Behandlungsansatz.
Der BlutplĂ€ttchen-Aggregationsinhibitor Ticlopidine scheint im Vergleich zur Glukokortikoidtherapie Ă€hnlich erfolgreich zu sein. Die Behandlung mit Ciclosporin (3-4 mg/kg KG) in Kombination mit Glukokortikoiden ist in schweren FĂ€llen weiterhin erfolgreich und einer Steroide-Monotherapie hinsichtlich Wirksamkeit und Rezidivprophylaxe ĂŒberlegen, auch wenn auf Nebenwirkungen geachtet werden muss. Das Methotrexat scheint bei schweren aktiven Formen der EO Erfolge zu zeigen. Methotrexat hemmt unspezifisch das aktivierte Immunsystem und unterdrĂŒckt die Antikörperproduktion. Methotrexat wird zur Behandlung der EO in niedriger Dosierung angewandt. RegelmĂ€ĂŸige Blutbildkontrollen sowie Kontrollen der Leber- und Nierenwerte sind erforderlich. Die Behandlung mit hochdosierten Immunglobulinen hat sich als wirksam erwiesen, wird jedoch aufgrund der hohen Behandlungskosten kaum angewendet. Der therapeutische Einsatz von Somatostatinanaloga erscheint Erfolg versprechender. Wie bei der Diagnostik macht man sich die vermehrte Expression von Somatostatinrezeptoren im orbitalen Immunprozess bei Patienten mit EO zunutze. Mit dem Somatostatinanalogon Octreotid lĂ€sst sich der bulbĂ€re EntzĂŒndungsprozess eindĂ€mmen. Vor allem bei der systemischen Weichteilbeteiligung des M. Basedow (Dermopathie, Akropachie) scheint dieser Therapieansatz Erfolge zu bringen. Die lang wirkenden Somatostatinanaloga sind fĂŒr die EO-Therapie außerhalb von Studien noch nicht zugelassen. Die Behandlungskosten sind hoch. Um den Erfolg der Somatostatinanaloga einschĂ€tzen zu können, mĂŒssen die Ergebnisse durchgefĂŒhrter kontrollierter Studien abgewartet werden. Auch die KostenĂŒbernahme durch die Krankenkassen wird davon abhĂ€ngen.


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