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104. Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft 2006

Abstract
Abstract

FR.12.02

Wann Triple-Prozedur und wann zweizeitige Operation bei Fuchsscher Hornhautendotheldystrophie mit Katarakt?

Seitz B.
Klinik fĂŒr Augenheilkunde, UniversitĂ€tsklinikum des Saarlandes (Direktor: Prof. Dr. Berthold Seitz, F.E.B.O.)

Hintergrund und Ziele: Seitdem die sog. Triple-Prozedur (simultane perforierende Keratoplastik (PKP), extrakapsulĂ€re Kataraktextraktion (KE) und Hinterkammerlinsenimplantation (HKL)) seit Mitte der 70er Jahre von einigen Zentren zunehmend propagiert wird, besteht unter Ophthalmochirurgen Uneinigkeit ĂŒber das probate Vorgehen bei gleichzeitiger Hornhaut- und LinsentrĂŒbung.
Methoden: Prinzipiell sind neben der klassischen Triple-Prozedur (1) noch zwei weitere mikrochirurgische AnsĂ€tze denkbar: (2) KE + HKL vor PKP und (3) KE + HKL nach PKP. FĂŒr das refraktive Ergebnis der Triple-Prozedur sind einige intraoperative Details von Bedeutung: Die Trepanation von EmpfĂ€nger und Spender von epithelial ohne Überdimensionierung mittels sog. gefĂŒhrter Trepansysteme oder nichtmechanisch mittels Excimerlaser erhĂ€lt weitgehend die prĂ€operative HornhautkrĂŒmmung. Im Kapselsack plazierte HKL und Transplantat sollten exakt an der optischen Achse zentriert sein. Die Kapsulorhexis bei kontrollierten intraokularen DruckverhĂ€ltnissen vor der Trepanation mag das Risiko der Kapselruptur minimieren.
Ergebnisse: Der entscheidende Vorteil der Triple-Prozedur ist die schnellere visuelle Rehabilitation bei geringerer Belastung der meist Ă€lteren Patienten. Zwei bulbuseröffnende Eingriffe bei Ansatz (2) und (3) bergen zweimal das Risiko der Infektion und der suprachorioidalen Blutung. Variante (2) setzt eine noch klare Hornhaut voraus und die Gefahr des intraokularen Druckanstiegs nach PKP scheint hierbei erhöht zu sein. Variante (3) hat den Vorteil der gleichzeitig möglichen Astigmatismusreduktion im Rahmen der KE durch entsprechende Wahl des Zugangs, simultane refraktive Keratotomien oder Implantation einer torischen HKL. Potentiell nachteilig sind der Endothelzellverlust des Transplantates und das theoretisch erhöhte Risiko der Immunreaktion nach KE. GrĂ¶ĂŸere Abweichungen von der Zielrefraktion nach Triple-Prozedur sind möglich, lassen sich jedoch mittels individueller multipler Regressionsanalyse fĂŒr die HKL-Berechnung bei geeigneter Trepanationsmethode zur Erhaltung oder definierten Änderung der prĂ€operativen HornhautkrĂŒmmung minimieren. Das Argument der exakten Berechnung der HKL-StĂ€rke nach PKP bei Variante (3) wird bei liegenden FĂ€den durch die zum Teil dramatischen KrĂŒmmungsĂ€nderung nach Fadenentfernung entkrĂ€ftet. Selbst nach Fadenentfernung mögen die abnormalen VerhĂ€ltnisse der Vorder- und RĂŒckflĂ€chenkrĂŒmmung und/oder die irregulĂ€re Topographie nach PKP die hĂ€ufige Fehlkalkulation der HKL begĂŒnstigen.
Schlußfolgerung: Die postulierten besseren Aussichten fĂŒr eine gute unkorrigierte SehschĂ€rfe nach zweizeitigem Vorgehen werden durch eine erheblich verzögerte visuelle Rehabilitation erkauft. Aus diesem Grund stellt fĂŒr uns die Triple-Prozedur mit KE via open sky in Vollnarkose die Methode der Wahl bei gleichzeitiger Linsen- und HornhauttrĂŒbung dar. In Anbetracht der oft rasch progredienten Kernkatarakt nach PKP empfehlen wir bei Ă€lteren Patienten mit Fuchsscher Dystrophie einen kombinierten Eingriff bereits bei beginnender LinsentrĂŒbung.


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